Vielen von euch ist bekannt, dass ich mich gerne und reichlich über alles und jeden aufrege.
Rasch steigt mein Blutdruck in ungeahnte Höhen, zahlreich fallen die Haare aus und unruhig zittert die Hand, so das häufig nur ein milder Weinbrand die Fähigkeiten besitzt, mich zur Raison zu bringen.
Mir ist aufgefallen wie häufig ich über irgendetwas in Polen herziehe, dabei gibt es hier - zwar nicht für jeden sofort sichtbar - immer wieder kleine Momente des Glücks.
Vor einer Woche hat Olek unseren Ort der Stille gesprengt. Überall flog Keramik umher, Unrat wohin man sah, kurzum es war ein ungeheuerliches Durcheinander. In Wirklichkeit fing aber nur unsere Toilette / Haziel an zu lecken ( der ist für Dich Caro ). Folglich sahen wir uns immer gezwungen, den Haupthahn zuzudrehen. Ein ärgerliches Unterfangen; jedesmal nach dem "Boilieren" musste man warten bis es weiterspülte, dann den Haupthahn zudrehen, warten, wiederum das Wasser aufdrehen usw. Jeder Gang zur Toilette musste demnach gründlich überlegt werden. Häufig musste ich Olek auf den Hinterhof schicken, schließlich muss man Wasser sparen. Man denke nur an unsere Umwelt und die Kinder.
Mir war einwenig unwohl bei dem Gedanken wieder unsere liebe Vermieterin Irena anzurufen. Der mittlerweile dritte Vorfall in unserer behaglichen Unterkunft und das innerhalb von etwa einem Monat. Irena kannte dann auch jemanden und hat mich gefragt, ob sie ihn nicht einfach vorbeischicken könnte. Da ich zu Hause war und mich artig in Klausur befand, stellte das für mich kein Hindernis dar. Nun gut, eigentlich hätte ich Olek bei den Einkäufen helfen sollen, aber die Toilette hat Priorität und außerdem kann Olek Traktoren ziehen, demnach durfte ein Großeinkauf keine Probleme bereiten.
Es schellte plötzlich und ein Malocher wie aus dem Bilderbuch stand vor der Tür, er stellte sich als Pan Juliusz vor. Der deutsche Handwerker stellt sich normalerweise wie folgt vor: Tach Jansen, Gas Wasser Scheisse. Pan Juliusz war einfach nur Pan Juliusz; horch auf liebe Steuerfahndung. Hurtig machte er sich an die Arbeit und montierte behände den Spülkasten auseinander. Derweil widmete ich mich aufmerksam meinen Studien. Wie es sich für einen Polen gehört wollte Pan Juliusz erst nach der dritten Aufforderung einen Kaffee, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Der ganze Spülkasten wurde gereinigt, ausgewaschen und entkalkt, aber es tropfte immer noch etwas. Pan Juliusz war nicht zufrieden, es sollte perfekt sein! Also fuhr er kurzerhand mit seinem Auto los und kaufte einen neuen Dichtungsring, der alte schien porös zu sein. Nach ca. 1.5 Stunden war Pan Juliusz mit seiner Arbeit fertig. Alles funktionierte wieder wunderbar, er gab mir noch eine Garantie, dass wenn innerhalb eines Monats was passieren sollte, er umsonst vorbeikommt und alles wieder richtet. Ich bekam noch seine Handynummer, für den Fall der Fälle. Unter seinen Namen schrieb er noch: zlota raczka / Goldhändchen ( Ein Handwerker für alles.)
Die lästige Frage ob der Vergütung musste nun gestellt werden. Ich persönlich rechnete mit einem Preis um die 70-100 zloty. Ferner musste ich ihn um eine Rechnung beten, die ich unserer Vermieterin vorlegen musste. Pan Juliusz wurde verlegen und druckste rum:
"O rachunek? no wie pan, ja jeszcze nie mam firmy...wie pan...ja to tak robie...no prywatnie...pan rozumie?/Also Rechnung...nun ja...also ich hab NOCH keine Firma...wissen sie...ich mach das so...ja so privat wissen sie?"
Ich versicherte ihm, dass dies für mich kein Problem darstellt und fragte endlich was er denn bekomme.
"No niech pan daje jakies 30 zloty? / Sind so 30 zloty okay?" ( ca 7.50€ für 1.5 Stunden Arbeit, Anfahrt und noch kurz einen Dichtungsring kaufen ) Ich drückte ihm dann kurzerhand 40 in die Hand und meinte es wäre schon gut so. Pan Juliusz schien nicht zu verstehen warum er jetzt Trinkgeld bekommen hat. Ich versicherte ihm aber, dass es schon seine Richtigkeit hatte. Ich hätte es auch nicht mit meinem- ansonsten recht flexiblen- Gewissen vereinbaren können, den Mann für unter 10 € aus dem Haus gehen zu lassen.
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