oder warum der Pole seit Mickiewicz keine Romantik mehr kennt.
Mickiewicz, der große Romantiker und epische Nationalheld Polens in nicht enden wollender Personalunion. Das waren noch Zeiten!
Große Gefühle, ländliche Idyllen, Nationalstolz, all das findet man in den Werken Mickiewicz´ wieder und jeder Pole kann spätestens nach dem erfolgreichen Abschluss der dritten Klasse alle Werke auswendig vortragen.
Daran sollte sich das deutsche Bildungswesen ein Beispiel nehmen; allerdings ist es durchaus im Rahmen des Möglichen, dass solch eine Forderung als nahezu nationalistisch - nahe am rechten Rand - perzipiert wird.
Nun denn, jeder Besucher Polens, der irgendwann einmal ein Fernsehgerät eingeschaltet hat, kennt dieses Phänomen. Ein guter Film läuft, man freut sich vielleicht, dass gerade dieser Film läuft. Man lehnt sich zurück, die Handlung beginnt und anstatt der Schauspieler hört man Krzysztof Majkiewski, der einfach alle spricht bzw. liest. Der Vollsynchronisation-gewohnte Deutsche ist zu Beginn verwirrt und denkt es handelt sich um einen Fehler. Folglich wirft er einen Gegenstand nach dem Fernseher. Erweißt sich diese Maßnahme als nicht erfolgreich, schaltet man einfach weiter. Und es scheint...das Krzysztof Majkiewski einfach jeden Film im gesamten polnischen Fernsehen - seit ca. 30 Jahren - spricht bzw. vorliest.
Die Polen haben sich für die dümmste aller Möglichkeiten entschieden, um ausländische Filme auf "Polnisch" wiederzugeben. Die englische original Aussprache hört man so halb laut dumpf im Hintergrund und jedesmal wenn man einen halben Satz erhascht hat, kommt Krzysztof daher und gibt sich Mühe nach Wittgensteinischem Vorsatz möglichst direkt und maschinell-emotionslos eine halbgare Übersetzung vorzulesen. Schließlich soll man nichts falsch verstehen.
Viele Länder haben es vorgemacht wie die Niederlande zum Beispiel. Dort spart man sich die Übersetzung und blendet Untertitel ein. Dies hat zur Folge, dass Kinder aus den Niederlanden sehr schnell und vor allem gut Englisch lernen. Ferner wird das Lese-vermögen, insbesondere das "schnelle Lesen" gefördert.
Unabhängig von diesem didaktischen Vorteil hat der sog. "spiker" einen weitaus schlimmeren Nachteil.
Actionfilme aus den 80er Jahren mit wenig inhaltlicher Tiefe gehen gerade noch so, wenn sie vorgelesen werden. Was passiert aber nun mit einem ergreifenden Film, oder einer Komödie die von witzigen Dialogen bzw. Wortgefechten lebt? Der Film wird zu Müll. Nichts von der Chemie bzw. Stimmung kommt rüber. Man stelle sich einmal Romeo und Julia vor. Daraus wird Krzysztof liest seine Einkaufsliste vor.
Witz und Romantik werden gnadenlos weggewischt, so dass sich jeder Film gleich anhört....moment...gleich? Alle sind gleich! Kommunismus! Konspirative Elemente in der Regierung wollten schon zu den alten Zeiten, dass polnische Volk gefühlsmäßig abstumpfen! Tusk der alte Verbrecher will das bestimmt auch! Was Radio Maria dazu sagt ?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen