Dienstag, 14. Februar 2012

Der jüdische Friedhof

Laut Reiseführer gehört der jüdische Friedhof in Krakau zu den "traurigsten" Friedhöfen. Diese Einschätzung muss - so denke ich - jeder teilen der einmal dort gewesen ist. Von Außen gesehen ist er auch sehr unscheinbar und noch nicht einmal großartig ausgeschildert. Plötzlich steht man aber vor einem kleinen verrosteten Tor welches an ein altes Haus grenzt. Man sieht keine Menschenseele. Und obgleich der Friedhof inmitten der Stadt liegt und viel Verkehr drumherum ist, wird es plötzlich still. Eine andere Welt wurde betreten, abgelegen von dem Rest. Alles wirkt seltsam ruhig und verlassen. Ich denke, dass der Winter mit seiner Schneedecke seinen Teil zu der Atmosphäre beiträgt. Man fühlt sich, als ob die Zeit nahezu stehen geblieben, ja rückläufig geworden ist. Hier ist nicht das Jahr 2012, vielmehr spürt man eine andere Zeit. Eine Zeit in der Namen wie Rubinstein oder Goldmann den sicheren Tod bedeutet hätten. Viele der Gräber sind sehr heruntergekommen und teilweise weit über 100 Jahre alt. Verschiedene Sprachen mischen sich auf den Inschriften, Deutsch, Polnisch, Hebräisch oder Russisch. Manche Wege hören einfach auf, enden an Gräbern oder sind zugewuchert. Dieser Friedhof ist wirklich anders, ist wirklich trauriger als ein normaler Friedhof.





3 Kommentare:

  1. Eine durchaus treffliche Beschreibung der Gesamtstimmung, Marek !! Ich war zwar bereits mehrmals in Kraków, aber zu meiner Schande noch kein einziges Mal auf dem jüdischen Friedhof (!) Aber das war bestimmt nicht das letzte Mal für mich.

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