Samstag, 18. Februar 2012

Morgens um halb acht in Polen....

Nachdem ich Manfreds Geheimnis entdeckt habe war ich natürlich etwas geschockt und demnach war an Schlaf nicht mehr zu denken. Da es mich immer noch dürstete, entschied ich Olek kurzerhand noch etwas schlafen zu lassen und schon einmal die Einkäufe für das Frühstück etc. zu erledigen. Ein einfacher Einkauf kann in Polen stets zum Erlebnis werden; so auch heute. Es gibt Momente im Leben, da kann man wildfremde Menschen treffen, aber ein kurzer Blick reicht aus und man versteht sich blind. Diese wundersame und zugleich lustige Begegnung hatte ich gerade eben im hiesigen Carrefour. Noch leicht derangiert ging ich in den vollen Laden hinein. Ja ihr habt richtig gelesen, der volle Laden an einem Samstag um halb acht morgens. Ich dachte stets, dass nur mein Herr Papa dieses Postkommunistischen-Einkaufstress-am-Samstagmorgen-weil-die-Ware / Towor-sonst-weg-ist-Syndrom hat. Fast alle Polen haben es. Nun denn, ich schlurfte ein wenig planlos durch die Gänge - schließlich hatte ich gestern ordentlich gezecht - als eine Arbeitskraft die ganze Zeit hinter einem Mann herlief und mit ihrer perfiden schrillen Stimme die ganze Zeit: "Panie kierowniku! Panie kierowniku!" rief. ( Der polnische Kierownik ist gleichzusetzen mit dem deutschen Filialleiter ) Die Arbeitskraft wollte ihm irgendwie nur sagen, wie toll sie irgendeine dämliche Dose eingeräumt hatte. Die Reaktion war aber der Hammer. Der werte Herr drehte sich um und da trafen sich unsere Blicke, eher zufällig als gewollt, wir blickten uns eine Sekunde lang an, grinsten hämisch und nickten uns zu. Da wusste ich sofort, der Pan Kierownik hatte wahrscheinlich noch bis gerade eben gesoffen. So erkennt der Teufel nun mal seine Brüder. Und mit einer Stimme die Joe Cocker neidisch gemacht hätte brummte er die Arbeitskraft an: "No cholera dobrze, ale niech pani mnie teraz zostawi godzine w spokuju / Nun gut *Schimpfwort*, aber lassen sich mich jetzt für eine Stunde in Ruhe." Ich setzte meinen Einkauf fort und fand etwas, was ich in Deutschland seit Jahren nicht mehr käuflich erworben habe....
Eine Dose Cola, fein gekühlt. Hurtig wanderte diese in mein Körbchen. Ja in Polen gibt es sie noch, diese Freiheit sich einfach eine Dose Cola kaufen und auf der Strasse trinken zu können, ohne dass man Pfand bezahlen muss oder schief angesehen wird. Nein hier hat kein linker Aktivist und Steinewerfer entschieden, dass ein ganzer Industriezweig pervertiert wird, weil sonst Zugvögel, Kröten oder ähnliches gefährdet werden könnten. Aluminium wird hier noch nicht mit Plutonium gleichgesetzt! Als ich diese Dose auf der Straße öffnete und gierig trank fühlte ich mich wie der junge William Wallace als er: "FRRREEEIIIHHHHEEEIIITTTTT" brüllte!

Doch wer denkt, dass mein Einkaufserlebnis hier schon zu Ende ist der irrt gewaltig. Wer glaubt ihr war denn an der Kasse? Richtig die Frau die mich mit Leprabrocken anspucken will. Natürlich hatte ich das passende Kleingeld bzw. den passenden Schein aber ich wollte ihr den Tag schon zu Beginn so richtig versüßen. Folglich knallte ich wortlos einen 100 zloty schein auf den Tisch für die Summe von 25.31 zl. Sofort kam:"31 groszy klein!?" Ich: "Oh, leider nein!" Dann kam der absolute Todesblick und die Frau hat dann einfach nicht mehr mit mir geredet, ultra beleidigt eine - verzeiht -Fresse gezogen und mir wortlos das Geld auf den Tisch geknallt. 
Insgeheim habe ich ihr gewünscht, dass sie heute stürzt und sich dabei das Knie aufschürft, weswegen dann dreckiger Schnee in die Wunde kommt. Es kommt zum Wundbrand und das Bein muss ab....muahahahahaha - Bitch! ( Das musste sein )
Man muss sich das einmal vorstellen, da wird ein zahlender Kunde wirklich so etwas von unhöflich behandelt ,weil er den Betrag nicht passend hat. In Deutschland wäre ich wahrscheinlich zu dem Filialleiter gegangen und hätte da das Palaver schlechthin abgezogen bzw. würde so eine Frau nicht in Deutschland arbeiten, weil sich schon eine Milliarde Menschen vor mir über solch eine Person beschwert hätten. Ich habe es hier nicht getan, warum weiß ich noch nicht einmal genau. Wahrscheinlich hat sich mein Unterbewusstsein solidarisch dem Kierownik gegenüber verhalten, der ja schließlich auch getrunken hatte, als dass ich ihn dann nicht mit der Lepra-spuck-frau behelligen wollte. 







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